Montag, 28. März 2016
Intro
Ich weiß gar nicht recht wie ich anfangen soll. Ich habe sowas nie zuvor gemacht.

Meine Therapeutin meinte es könnte mir vielleicht helfen. Helfen dabei, mir über meine Probleme im Klaren zu sein und mich diesen zu öffnen und sie allmählich anzugehen.

Es liegt aber auch in meinem Interesse ein Tagebuch zu führen, das was ich so erlebe niederzuschreiben und zu reflektieren.

Ich schreibe grundsätzlich gerne und wenn ich anfange bin ich meistens kaum zu bremsen, weshalb sich dieser erste Post vermutlich ein wenig in die Länge ziehen wird. Wer es also eilig hat kann die Einleitung auch überspringen und bis zu den Trennstrichen fortfahren, er/sie wird es jedoch schwer haben meine Gedankengänge nachzuvollziehen und das Geschehen mit Verständnis zu verfolgen. Ihr müsst dazu verstehen, dass ich versuchen möchte euch so gut wie möglich in meinen Standpunkt einzuführen, denn sonst werdet ihr sehr sicher den Überblick verlieren und euch zwischen den Zeilen fragen: "Was läuft denn bei dem schief?"

Vermutlich werdet ihr euch das so oder so irgendwann fragen und ich kann es euch nicht einmal übel nehmen. Bevor ich jetzt jedoch den Faden verliere, beginne ich einfach mal mit ein paar wissenswerten Fakten über mich:

Ich bin Jens, 17 Jahre alt und Abiturient an einer Gesamtschule im Umkreis von Köln. Ich komme aus vergleichsweise wohlhabendem Elternhaus und seit ich mich erinnern kann, habe ich eine Menge Freunde und ein intaktes soziales Umfeld. Schon seit der Grundschule bin ich mehr oder weniger Klassenbester und auch ansonsten, ob beim Sport oder bei anderen Aktivitäten stets unter den Leistungsstärksten vertreten.

Meine Freunde schätzen meinen Humor und meine lockere Art, meine Familie meine Hilfsbereitschaft und...ja auch ein paar andere Dinge - jedenfalls lieben sie mich und stehen immer hinter mir.

Ich arbeite gerne und viel und versuche mich in vielen Aktivitäten zu integrieren, was oft dazu führt, dass es mir an Entspannung an Freizeit mangelt. Ich suche mir bspw. ständig Projekte (wie Bodybuilding) in denen ich mich verwirklichen und in die ich meine Zeit investieren kann - Hauptsache ich bin am Limit und bin in dem was ich tue besser als andere.

Auf den ersten Blick scheint alles perfekt, aber die Fassade täuscht:

Die ganzen Jahre über habe ich einfach gelebt, meine Erfahrungen gemacht und bin immer gut dabei weggekommen.

Heute sehe ich hinter allem einen Haken, hinterfrage den Sinn meines Daseins, denke über Suizid als Ausweg nach...

Seit gut einem Jahr wurden bei mir eine episodische Depression und eine Angststörung diagnostiziert. Wer jetzt denkt, dass sowas heute gut behandelbar sei, der hat grundsätzlich Recht aber übersieht auch die Details.

Lösung Nr.1: Die Therapie! Eigentlich doch eine schöne Sache, der Verstimmung auf natürlichem und nachhaltigem Wege den Garaus zu machen. Auf einen Therapieplatz muss man jedoch nicht nur oft mindestens ein Jahr lang warten, wenn man an der Reihe ist hat man sich völlig nach dem Terminkalender seines Therapeuten zu richten. Ob Schule oder Job, hier heißt es "Friss oder stirb!". Entscheidet man sich trotzdem dafür, beginnt mit der Therapie eine gesamte Lebensumstellung, welche anfangs viele negative Seiten mit sich bringt und nicht einmal Erfolg garantiert. Aber halt! Es gibt auch noch..

Lösung Nr.2: Die Pharmaindustrie! Wer grundsätzlich gar nicht an den Kern der Probleme vordringen will, sondern sie lieber unterdrückt um am bisherigen Leben auch weiterhin teilzuhaben, dem stehen eine Menge Pillen zur Verfügung:
Egal ob Tavor Expidet oder Mirtazapin, was euch Anfangs das Leben erleichtert, macht es schlussendlich zu einer Höllenfahrt.

Viele Menschen, die sich eigentlich für die zweite Lösung entscheiden würden sind jedoch auf einen Mix angewiesen, da sie ansonsten in naher Zukunft das zeitliche segnen. Zu eben diesen Menschen zähle auch ich. Zwar besuche ich einmal pro Woche meine Therapeutin und das hilft mir wirklich; solange ich jedoch auch Nasen ziehen kann, kann ich auch arbeiten und solange ich Benzos schlucken kann, kann ich auch ruhen! Ganz ohne mein Verhalten zu ändern...warte...habe ich gerade Nasen ziehen geschrieben? Ach ja, ich habe ganz vergessen zu erwähnen, dass ich mich seit ich 13 Jahre alt bin einem ganz besonderen Interessensfeld verschrieben habe: Drogen..Psychoaktive Substanzen, Rauschgift...wie ihr es auch immer nennen mögt.

Es war nicht das Verbotene, was mich stets gereizt hat, nein es war die Veränderung des Bewusstseins und der menschlichen Fähigkeiten - eine Veränderung vor der Lehrer und Eltern warnen und von der die freundlichen Skater in der U-Bahn-Endstation sagen, sie sei hilfreich zum Chillen und zum Abhängen.
Seit mir mein Lehrer für meinen Drogenvortrag eine 2+ mit der Begründung "Eigentlich war er perfekt, aber er wirkte zu verharmlosend" gab, war mein Interesse geweckt: Hatte ich die Informationen falsch dargestellt, oder lag ich mit dem was ich dort präsentiert hatte richtig. Wie gesagt, ich war 13 und durch meine Noten überzeugt davon, dass alles was ich so von mir gab von vergleichsweise hoher Qualität sei und blahblah....

So kam es, dass ich anfing zu lesen, ich las und las und las. Schnell wurde ich damit konfrontiert, dass eine Menge von dem was meine Eltern und das Fernsehen mir erzählt hatten eine Lüge war und ich lernte Menschen kennen, die mir kompetent und aufgeschlossen erschienen. Sie nahmen LSD und rauchten Cannabis. Durch einen Schulfreund bin ich mit 14 das erste mal selber zum Kiffen gekommen. Damit rechnete damals keiner und viele staunten nicht schlecht, als sie davon erfuhren. Nun 3 Jahre später, sind diese ersten Experimente Geschichte. Mittlerweile habe ich über 1000 Stunden damit verbracht, in Foren und Nachschlagewerken zu lesen und es ist bei weitem nicht bei Alkohol, Cannabis und Kaffee geblieben. Es ist viel mehr als ein Hobby oder eine Jugendsünde - es ist mein Lifestyle.

Wer solange damit zubringt sich hinsichtlich eines Themas zu informieren, der ist irgendwann das, was man einen Fachmann nennt. So ähnlich geht es mir auch: Ob Ethnobotanik, Pharmazie, Chemie, Biologie oder Medizin! Von allem etwas ergibt eine Mischung die dazu ausreicht intelligent und verantwortungsbewusst zu erscheinen, einen jedoch nicht vor allen Risiken und Gefahren beschützen kann.

So war ich bereits öfter überdosiert, hatte auch schon Panikattacken durch meinen Konsum und meine Leber stand kurz vor dem Kollaps.

Nun warum mache ich etwas, was mir bereits so sehr geschadet hat? Richtig! Da es eben nicht nur schadet. Probleme treten nur dort auf, wo auch Dinge gut gehen und was ist schon eine schlaflose Nacht gegen das Leben an sich? Wo Lebensqualität fehlt, kann ich sie mit Drogen künstlich ersetzen, solange bis der Sockel woanders zu bröckeln beginnt und wenn man weiß wie, kann man die Nebenwirkungen eine ganze Weile lang unterdrücken. Man bleibt also sowohl glücklich, als auch einsatzbereit und funktionstüchtig.
Momentan kann ich nur überleben, weil ich mich selbst mit SSRI behandle; weil ich gelegentlich eine Auszeit vom tristen Abiturientenleben habe, mir einmal keine Gedanken um meine Zukunft machen muss. Eine Zukunft vor der ich mich sonst fast nur noch fürchte.

Mein Traum ist es später als Pharmakologe zu arbeiten und ich habe mich ausgiebig mit der Pharmaindustrie beschäftigt. Dabei bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich diesen Profitgeiern nicht meine Unabhängigkeit anvertrauen möchte, denn wenn es nach denen ginge, würde ich jeden Tag 5mg von ihrem Lorazepam schlucken und meine Klappe halten. Nein! Ich suche meine Medikamente lieber selber aus, auch wenn das heißt dafür zum Dealer stiefeln zu müssen. Droge ist schließlich nur ein Wort für Arzneimittel, und diese sind nicht selten minder gefährlich. Nennt es ruhig Ignoranz gepaart mit Überheblichkeit, ich nenne es Mündigkeit. Keiner sollte mir vorschreiben dürfen, wie und womit ich therapiert werden möchte. Der Ratschlag eines Arztes kann sehr hilfreich sein, aber er kann einen genauso in die Entzugsklinik schicken wie die Population des Görlitzer Parks. Letztlich bleibt es mein Leben und ich bin mir sehr sicher nur noch hier zu sein, da ich mich nicht ausschließlich auf andere und deren Weisheiten verlasse.

(Mal eben am Rande: Wenn ihr bestimmte "Slangs" oder irgendein Fachchinesisch nicht versteht, benutzt bitte google Ich möchte nicht alles erklären, wer jedoch vorhat diesen Blog zu verfolgen, sollte sich die Namen einiger Substanzen merken können!!)

Wo war ich jetzt eigentlich stehen geblieben? Ach ja genau, ich leide an psychischen Erkrankungen, nehme gelegentlich Drogen und therapiere mich selbst. Was dazu kommt? Ich mag die Gesellschaft nicht (einige von euch werden wissen was ich meine. Alles ist mir zu kommerziell, heuchlerisch und kapitalistisch.) Mein Alltag überlastet mich, ich schlafe viel zu wenig und bin oft müde, mein Umfeld wandelt sich und ich werde von einer immer größer werdenden Flut aus Sorgen, Leid und Verzweiflung überrollt. Darauf werde ich dann eingehen wenn die Zeit gekommen ist.

Auch ansonsten gibt es sicherlich noch einiges mehr zu meiner Person zu erzählen, ich will es jedoch der Diskretion halber nicht zu persönlich werden lassen und es bringt auch nichts, wenn der Text solange wird, dass ihn gar keiner liest. Ich denke fürs erste wisst ihr genug um zu entscheiden, ob das hier etwas für euch sein könnte oder nicht. Bedenkt außerdem, dass es mitten in der Nacht ist und als ich gestern ganz spontan mit meinem Blog beginnen wollte, wurde ich von der 24 Std. Funktion aufgehalten und konnte aufgrund der ungünstigen Zeitumstellung statt heute um 0:30 Uhr erst um 1:30 Uhr beginnen.

Bitte seit nachsichtig mit Rechtschreibfehlern und jenen, die die Zeichensetzung und Linguistik betreffen. Normalerweise gebe ich mir immer Mühe, ich halte mich gerade jedoch künstlich wach, denn ansonsten würde ich mich gar nicht beisammen halten können. Es ist für mich jedoch wichtig das ganze hier und jetzt so umfangreich aufzuschreiben, da mir wann anders schlichtweg die Zeit dazu fehlt.
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Für alle die jetzt langsam aus dem Lesefluss gekommen sind oder den Roman bis hierhin übersprungen haben:

Was hier auf euch wartet ist das mit wenig Bildmaterial versehene Junky-Tagebuch eines missratenen depressiven Teenagers und Möchtegern-Studenten, der bereits mit 17 schon komplett vom Leben überfordert ist und versucht sich über diverse Substanzen vorm Suizid zu schützen.

Ich fordere keinen zu irgendwelchen Handlungen auf, ihr müsst selber Entscheiden was gut und was schlecht für euch ist! Alle Handlungen, die mich mit illegalen Tätigkeiten in Verbindung bringen, sind selbstverständlich frei erfunden!

Ihr seid alle herzlich dazu eingeladen zu kommentieren, Fragen zu stellen oder zu diskutieren. Dieses Tagebuch mache ich grundsätzlich für mich, ich habe jedoch mehr Anreiz dazu, wenn ich das Gefühl habe andere damit interessieren zu können.

Wie ich das "Projekt" letztlich angehe, kann ich euch jetzt noch nicht sagen - ich bin sicher, dass sich in den nächsten Tagen/Wochen/Monaten eine Linie herauskristallisieren wird.

Also viel Spaß beim Verstehen meiner kleinen kaputten Welt!

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spannend. und du schreibst sehr ansprechend.

selbstherapie ist letztlich das einzige, was hilft. sag ich mal so als depressive borderlinerin. sollte sich halt nicht auf den pharmazeutischen weg beschränken. ;)
mit ssri komm ich auch ganz gut klar, ist meine aktuelle medikation.

drogentechnisch war meine vorliebe jahrelang speed, das hat mir auch so ein paar synapsen verbrutzelt.

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Du hast aber schon davon gehlrt, dass Kiffen in der Jugend zu schweren Psychosen führen kann?!?

Wussten viele meinr Freunde garnicht...

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