Dienstag, 5. April 2016
Am Boden
Ich fühle nichts als Depression, Aussichtslosigkeit und Verzweiflung.

Ich glaube es macht Sinn, erst bei dem Beratungsgespräch anzusetzen zu welchem ich am Montag erschienen bin. Statt dem Berater erwartete mich eine kürzlich für ihn eingesprungene Therapeutin, welche den Termin mit mir glücklicherweise übernehmen konnte. Die Frau war sehr nett und in 45 min. konnte ich mit ihr deutlicher auf den Punkt kommen als mit meiner eigentlichen Therapeutin. Dies mag auch daran gelegen haben, dass sie mir einerseits direkt Sprechstunden mit ihr angeboten hat und mich andererseits an einen Arzt verwiesen hat, der sich einmal einen Überblick über meine Selbstmedikation verschaffen soll. Jedenfalls habe ich das Caritas-Gebäude mit einem positiven Gefühl verlassen können.

Zuhause habe ich mich dann direkt wieder mit meinen Eltern gestritten, die wieder meinten mit ihrer uninformierten Haltung sticheln zu müssen.
Der Gedanke von zuhause auszuziehen ist in diesen Tagen wieder des öfteren präsent geworden, auch wenn ich weiß, dass ich dieses Vorhaben aufgrund mangelnder Unterstützung und der vielen Probleme halber nicht in die Tat umsetzen werde.

In den nächsten Tagen werde ich einmal mehr die Hilfe von Psychologen, Therapeuten und Ärzten in Anspruch nehmen; mein Terminkalender ist bis zum Anschlag gefüllt und das macht mir zu schaffen. Was ist, wenn die Termine um sonst sein werden? Was wenn die Ärzte mich auf eben diese Antidepressiva einstellen wollen, vor deren Auswirkungen ich mich so fürchte und vor allem was geschieht, wenn sich jene Befürchtungen bestätigen werden?

Was in diesen Tagen fehlt, jedoch am aller Wichtigsten für mich wäre ist eine klare Linie. Ein Weg dem ich folgen kann und mit Sicherheit zu einem befriedigendem Ergebnis gelangen werde. Andere Menschen sind für meine Situation mitverantwortlich und ich glaube, dass diese Leute mich ins Chaos stürzen werden wenn sie nicht endlich von ihrem Starrsinn abweichen. Sie wollen einfach nicht wahrhaben wie sehr sie mir damit schaden.

Ich glaube noch nie in meinem Leben war ich so am Boden und habe mich so fertig mit der Welt gefühlt. Heute musste ich deshalb sogar aus dem Unterricht und habe zuhause erstmal über 3,5 Stunden geschlafen. Ich bin müde, habe Kopfschmerzen, mir ist schwindelig und ich stehe sicherlich kurz vor einer weiteren Panikattacke. Das ist üblich, wenn mein Leben meint mich wieder einmal überfordern zu müssen.

Trotz dessen werde ich versuchen euch weiterhin auf dem Laufenden zu halten und hoffe in einen geordneten Therapieverlauf übergehen zu können. Momentan bin ich davon jedenfalls noch weit entfernt.

Leider werden die nächsten Tage nicht besser, denn bis spätestens Freitag werde ich keine SSRI mehr haben. Eigentlich habe ich bereits jetzt schon nichts mehr, aber ich lasse tägliche Dosierungen aus um meinen Bedarf decken zu können. Da wir in der nächsten zeit weitere Klausuren schreiben, wird auch der Stress im Schulalltag steigen und dazu kommen nun all die neuen Erkenntnisse der Behandlung.

Ich wünsche euch alles Gute, lg Jens.

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Hey
frag mal bei evim und anderen sozialen trägern nach, ob sie dir nicht beim auszug in eine eigene Wohnung bzw. Wohngruppe helfen können?

Das deine Eltern sticheln und selbst uninformiert sind, bzw. keine emotionale Nähe zu dir und deinen Problemen haben.. ist ein Graus.. du musst dich dem nicht aussetzen.
Ihr Sticheln, ist ihre Angst&Sorge.. und sie geben dir "Schuld" daran, das sie nicht wissen, was mit dir ist.

Bleibst du dort wohnen, wird dir die Therapie nicht wirklich was bringen.. schaffst du es zb. in eine Wohngruppe haste zumindest die Chance durch räumliche Distanz einen besseren einblick in deine Problematik zu bekommen. Das ist viel wert.

lg Sue

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ein auszug scheint mir in deinem fall schon ein wichtiger teil der therapie zu sein.

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Danke ihr zwei, dass ihr hier ein wenig vorbeischaut und mir gute Tipps gebt. Wie ich merke habt/hattet ihr ja selber ähnliche Probleme.

Ich denke, dass ich die Caritas-Beraterin beim nächsten Treffen auf einen möglichen Auszug anspreche - besonders dann, wenn sich das Verhalten meiner Eltern nicht ein wenig ändert; Momentan machen sie jedoch ein paar Fortschritte...

Das der Auszug an den Therapieerfolg gekoppelt ist glaube ich euch, ihr könnt jedoch sicher nachvollziehen, dass mir der Gedanke mein Heim zu verlassen ziemlich schmerzt, zum einen da ich noch so jung bin und gerade eine Menge wichtige andere Entscheidungen zu treffen habe und zum anderen da ich grundsätzlich ein gutes Verhältnis zu meiner Familie habe und mir sowohl Haus als auch Umgebung sehr gut gefallen.

Aber mal schauen wie es weitergeht...ich werde euch auf dem Laufenden halten!

lg Jens

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ein auszug ist nie ganz einfach. ich bin mit 16 zu meinem freund gezogen und dann mit 19 in meine erste eigene wohnung, was ziemlich doof war, weil ich a) frisch von besagtem freund getrennt war und b) mich mit meinen eltern rumärgerte, die der meinung waren, ich solle lieber erstmal nachhause kommen. die ersten drei monate hab ich mich wirklich sehr einsam gefühlt. dann ging es irgendwann, v.a. als ich dann noch einmal in eine etwas größere und schönere wohnung zog. am anfang war es auch stressig, ich hatte die uni, einen oder mehrere jobs und musste daneben erstmal lernen, wie das so ist mit haushalt. bei meinem freund hatte immer mein freund gekocht und eingekauft bspw., ich hab nur bei der wäsche und beim abspülen und sowas geholfen - d.h. ich war relativ gepampert.

aktuell wohne ich inzwischen 600 km von meinen eltern weg - und ich würde sagen, es tut mir insgesamt schon gut. unser verhältnis ist sehr freundschaftlich, was nicht heißt, dass es ab und an mal knallt. von meiner psychischen erkrankung bspw. wissen sie nichts, ich wollte sie damit nicht belasten und mir zugleich auch nicht die ganzen doofen kommentare und gutgemeinten ratschläge reinziehen. meine eltern sind - ich bin einzelkind - natürlich schon sehr auf mich fixiert und haben auch konkrete vorstellungen, wie ich so leben sollte (super bezahlter job, feste partnerschaft, haus, garten, kind, so in der art ;)). aber insbesondere meine mutter hat inzwischen schon verstanden, dass das bei mir vermutlich nie so eintreten wird. ich kann guten gewissens sagen, dass ich meine eltern liebe, und ich denke, sie lieben mich auch, obwohl sie manchmal nicht so zeigen können oder es so vermitteln, dass es mich vor den kopf stößt. aber indem ich meine eigene wahrnehmung immer wieder auf den prüfstand stelle, erkenne ich so die substanz in unserem ganzen kommunikationswust. und ich denke, man kann es sehr viel schlechter treffen als ich.

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